Martin: Rafael, deine Wurzeln liegen in Peru. Was hat dich veranlasst dein Heimatland zu verlassen und nach Deutschland auszuwandern?
Rafael: Auch wenn ich in Peru die deutsche Schule besucht und dort das Abitur gemacht habe wollte ich eigentlich nicht nach Deutschland gehen, sondern in Peru bleiben. Es gab drei Aspekte, um dann doch nach Deutschland zu gehen:
Wenn du in Peru gute Bildung auf Universitätsniveau bekommen möchtest, dann musst du auf eine private Universität gehen, aber das ist teuer. Da es nur wenige Fachgebiete auf öffentlichen Universitäten gibt, die ein gutes Niveau anbieten, habe ich auf einer privaten Universität begonnen Informatik für fündhundert Dollar pro Monat zu studieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten Freunde von mir schon in Deutschland gelebt und studiert. Sie meinten nur: „Mit fünfhundert Dollar pro Monat leben wir hier gut, machen Party und können auch noch studieren.“

Zweitens: Die politische Situation in Peru war damals (im Jahr 2000) unter Präsident Fujimori nicht einfach. Sie war geprägt von extrem viel Korruption, Machterhalt und problematischen Machtgefügen. Ich war damals Neunzehn Jahre alt und hatte keine Lust mich mit den politischen Gegebenheiten zu arrangieren – vor allem da ich ja das Backup im Kopf hatte, grundsätzlich ins Ausland gehen zu können.

Der dritte Aspekt war: nach neun Jahren in der deutschen Schule bist du in einem anderen Bildungssystem. Das hat es mir sehr umständlich gemacht, wieder in das peruanische Bildungssystem hineinzukommen: Ich kannte alle relevanten Begriffe nur auf Deutsch und nicht auf Spanisch. Durch die Unterschiede im Bildungsniveau hätte ich nach dem Besuch der deutschen Schule auf der peruanischen Uni die ersten beiden Jahre sehr viel Wiederholung gehabt und hätte Zeit verloren.

Martin: Gerade aus dem letzten Aspekt heraus hast du also eine implizite Entscheidung für deine Auswanderung getroffen.
Rafael: Ja genau. Daher habe ich es einfach probiert, mich auf deutschen Universitäten einzuschreiben. Einen NC gab es damals für das Studienfach Informatik nicht. Ich war 1996 als Austausch-Schüler in Appenweier (in der Nähe von Offenburg) bei einer extrem weltoffene Gastfamilie. Diesen Kontakt hatte ich die ganzen Jahre aufrechterhalten, und hatte somit eine Anlaufstelle. Ich hatte Zusagen der Universitäten in Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe für ein Informatikstudium erhalten. Meine Entscheidung wohin ich gehen würde, habe ich von der Anreisezeit per Zug abhängig gemacht. So bin ich also in Karlsruhe gelandet.

Martin: Durch den Besuch der deutschen Schule in Peru und dem Kontakt zu deiner Austauschfamilie, war der „Kulturschock“ nach Deutschland auszuwandern sicherlich nicht so groß, da du wusstest wie die Gesellschaft in Deutschland so „tickt“, oder?
Rafael: Ich hatte wirklich sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie und wir sind auch heute noch in Kontakt. Das lag sicherlich auch daran, dass man im Rahmen des Austauschprogrammes darauf Wert gelegt hat, dass die Gastfamilien eine ähnliche Struktur aufweist wie die eigene. Ich war aber trotzdem schockiert (lacht).
Zum Zeitpunkt des Schüleraustausches vielleicht noch mehr als später: Der Austausch war im Winter mit viel Schnee, den ich nicht kannte, die Tage waren kurz, es war kalt und die Menschen waren alle dick vermummt.
Als Student war es, trotz des Rückhaltes meiner damaligen Gastfamilie, nicht einfach mein Leben allein in einem fremden Land zu meistern und zu organisieren. Meine damalige Freundin ist in Peru geblieben, es hat schlussendlich zwei Jahre gedauert, bis ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein. Prinzipiell wollte ich nur für die Studienzeit in Deutschland bleiben, um danach gleich wieder nach Peru zurückzugehen.

Martin: Und doch bist du geblieben.
Rafael: Ja, ich bin geblieben (lacht)! Ich wollte ja auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sehen, da es auch Spiele in Stuttgart gab. Dort habe ich übrigens als Volontär geholfen.

Martin: Du meintest vorhin, mit den deutschen Lehrern in Peru wäre es nicht einfach gewesen. Was genau meinst du damit?
Rafael: (Lacht) … also vorneweg: Ich war kein einfacher Schüler. In Bezug auf die Lehrer werde ich jedoch zwei Szenen nie vergessen:
Ich weiß nicht mehr warum, aber während meiner Schulzeit gab es einen spontanen nationalen Feiertag. Einer der Lehrer sagte dann: „Wir sind hier in einer deutschen Schule und entscheiden selbst, ob wir uns diesem Feiertag anschließen, oder Unterricht abhalten.“ Das geht gar nicht.

Mein Deutschlehrer sagte einmal zu mir: „Du bist Peruaner und du wirst bei mir nie besser als vier Punkte im Abi werden.“ Das war an dieser Stelle genial für mich, da ich ab diesem Zeitpunkt keine Hausaufgaben mehr machen musste, da ich ja nicht mehr Punkte „wert“ war. Am Ende habe ich dann immerhin fünf Punkte bekommen.

Martin: Trotz deiner „fünf Punkte“ hattest du doch sicherlich keine großen Probleme mit der Sprache als du nach Deutschland gekommen bist.
Rafael: Naja, ich hatte sehr viel Grammatik in der Schule, und habe auch sehr viel verstanden – das reine Sprechen habe ich erst hier in Deutschland richtig gelernt.

Martin: Ordnest du deine Erfahrungen mit deinen Lehrern in der deutschen Schule in Peru als rassistisch ein?
Rafael: Ob das rassistisch, einfach nur „menschliche Dummheit“ oder eine Frage der Einstellung ist, das mag ich nicht einordnen wollen.
Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel von Ai Weiwei gelesen, Deutschland sei „immer noch ein Nazi-Land“.  Das sind Begriffe mit denen ich heute vorsichtig umgehe. Wenn man so etwas in den Mund nimmt, dann pauschalisiert man einfach nur. Menschen ticken überall ein wenig anders, sie deswegen unter einen Generalverdacht zu stellen, halte ich für problematisch.
Vielleicht habe ich mich damals, in Bezug auf einige Lehrer, aber auch nicht besser verhalten. Vor allem, da wir in Peru mit dem Begriff der „bösen Deutschen, die von den USA gesteuert werden“ aufgewachsen sind.

Martin: Hat dich das vorbelastet?
Rafael: Nein! Ich hatte zu Deutschland und „den Deutschen“ immer eine positive Einstellung und positive Begegnungen.

Martin: Hast du seit du hier in Deutschland lebst schon Rassismus erfahren müssen?
Rafael: Wenn ich ein Wort dafür in den Mund nehmen würde, dann wäre das „Diskriminierung“. Meiner Meinung nach gibt es das aber überall auf der Welt und in jeder Gesellschaft: Wenn du anders bist, anders aussiehst oder anders sprichst, wirst du auch anders gesehen.
Was ich damals, als ich nach Deutschland gekommen bin, auf den Ämtern erfahren habe, das war jedoch Schikane, Machtdemonstration und zum Teil auch reine Willkür. Auch wenn das heute besser geworden ist, habe ich immer noch das Gefühl, dass es auf den Ämtern meistens darum geht, wer am längeren Hebel sitzt.

Wir hier in Deutschland reden oft von Integration. Was wir aber tun – oder erwarten – ist Assimilation.
Integration ist keine Einbahnstraße und bedarf der Mitarbeit von „beiden Seiten“. Ich sehe das aber nicht nur bei Menschen, die aus einem anderen Land kommen, sondern zum Beispiel auch bei behinderten Menschen.
Ganz generell denke ich, dass ich mit meinen peruanischen Wurzeln „Glück habe“, da viele Menschen mit dem Begriff „Peru“ eher Machu Picchu oder die Fußballer der siebziger Generation verbinden und nicht den „Terrorismus des Leuchtenden Pfades“.

Martin: Das heißt, das Narrativ von Peru ist hier in Deutschland ein anderes als zum Beispiel das vom Iran oder Irak?
Rafael: Ja, ich glaube die Stereotypen, die mit Peru in Verbindung gebracht werden, werden anders gesehen.

Martin: Du bist ja Vorsitzender des Latinka e.V.. Wie werdet ihr als Organisation von außen gesehen? Gibt es da Probleme mit der Karlsruher oder der deutschen Bevölkerung?
Rafael: Von außen werden wir positiv gesehen. Das ist auch Teil unseres Erfolges, das wir nach außen eine transparente Kommunikations-Strategie haben und führen, die offen und einladend auch für Menschen außerhalb des peruanischen Kulturkreises ist. Intern sah das in der Gründungsphase etwas anders aus, da es in Peru grundsätzlich ein kulturelles Problem mit einem möglichen „Erfolg eines anderen (Peruaners)“ gibt.

Martin: Deine Kinder wachsen aktuell mit zwei Sprachen auf, und in der Schule kommen dann noch die weiteren „üblichen“ dazu?
Rafael: Ja, genau. Zusätzlich gibt es bei uns in der Familie noch die Gebärdensprache, da unsere eine Tochter, zwar nicht ganz gehörlos ist, jedoch Hörgeräte braucht. Da wir natürlich auch, oder gerade in der Familie, integrativ sein wollen, gehört das erlernen dieser Sprache einfach dazu.

Martin: Wenn eure Kinder erwachsen sind, hast du mit deiner Frau schon darüber nachgedacht nach Peru zurückzukehren, um dort euren Lebensabend zu verbringen?
Rafael: Also mein eigentlicher „Masterplan“ hat sich mehrmals verändert (lacht). Meine erste Idee war es, hier ihn Deutschland einfach nur fünf Jahre zu studieren. Da ich ja die Fußball-WM in Deutschland live sehen wollte wurden aus fünf Jahren dann sechseinhalb. Dann wollte ich Berufserfahrung sammeln, um mit diesen Erfahrungen nach Peru zurückzukehren. Irgendwann kamen dann die Kinder. Wenn du Kinder bekommst, dann verändert sich dein ganzes Wertesystem. Alleine wäre ich vielleicht schon nach Peru zurückgegangen.
Als gut ausgebildeter Mensch kannst du in Peru relativ gut verdienen und ein unkompliziertes Leben haben. Du brauchst dort natürlich eine sehr dicke Haut um die gesellschaftlichen und politischen „Thematiken“ auszuhalten. Ich weiß nicht ob ich das wirklich geschafft hätte, aber alleine hätte ich das sicherlich ausprobiert. In Peru sind Freiheit, Geld, Selbstständigkeit und das komplette soziale System ein kritisches Thema.

Wenn ich hier in Deutschland erzähle, das meine Eltern mit dreiundachtzig und achtundsiebzig Jahren immer noch arbeiten, teilweise weil sie wollen, teilweise weil sie müssen, sorgt das stets für Kopfschütteln und Unverständnis.

Hier in Deutschland kannst du dich zwar beschweren, dass dir das Geld deiner Rente nicht reicht, aber du hast wenigstens welches. Da gilt auch für das Gesundheitssystem: du kannst dich beschweren, dass die privaten und gesetzlichen Krankenkassen so sind wie sie sind, aber du hast immerhin eine Krankenversicherung.

Martin: Mein Projekt heißt ja „Ich bin Deutsch!“ Würdest du das von dir selbst auch sagen?
Rafael: Ich bin deutscher als „die Deutschen“ (lacht).

Martin: Möchtest du diese Aussage noch ein wenig ausführen?
Rafael: Also in meiner Familie bin ich „der Deutsche“ und meine Frau „die Peruanerin“. Sie verkörpert dort den wechselhaften und chaotischen Teil, ich den geordneten.
Ein Beispiel: Von meinem Gastvater habe ich gelernt, meine Hausschuhe ordentlich neben der Treppe immer am gleichen Ort hinzustellen. Meine Frau lässt ihre Hausschuhe immer irgendwo einfach stehen, findet diese nicht gleich und bedient sich dann natürlich meiner Hausschuhe, da diese ja immer ordentlich am gleichen Platz stehen.

Ich muss mir auch ab und an anhören: „Ich wäre so unflexibel wie die Deutschen.“ Wahrscheinlich haben mich die „geordneten Verhältnisse“ in der deutschen Schule in Peru und mein Gastaufenthalt hier in Deutschland irgendwo doch angesprochen und geprägt, so dass ich geblieben bin.

Zu den Aussagen „ich komme aus Deutschland oder ich komme aus Peru“ und „ich bin Deutscher oder ich bin Peruaner“ habe ich ein spezielles Verhältnis. Damit setzt man, bewusst oder unbewusst, Grenzen. Damit einher geht dann das Thema, dass du dich für die eine oder die andere Sache entscheiden musst. Und das geht überhaupt nicht.

Das ist die gleiche Frage mit dem „Doppelpass“: Ob ich einen, zwei oder zwanzig Pässe habe, ändert nichts an meiner Menschlichkeit und an dem wer oder was ich bin. Es ist in Bezug des sogenannten „Leitkulturgedankens“ zu kurz gesprungen, mich entscheiden zu müssen „deutsch“ oder etwas „anderes“ zu sein. Daher finde ich den Begriff „wo hast du deine Wurzeln“ besser. Diese Wurzeln sind dann unabhängig von diesen menschgemachten Grenzen. Meiner Meinung nach ist „Kultur“ heutzutage sowieso ein „gemischter Begriff“.

Martin: Wie ist denn deine Sicht auf die aufkommenden nationalistischen Strömungen in Deutschland und Europa? Machst du dir da Sorgen oder hast du Angst um dich oder um deine Familie?
Rafael: Mir selbst macht das weniger Angst. Ich sehe aber die Angst bei meiner ältesten Tochter, die mich schon gefragt hat: „Papa, musst du irgendwann das Land verlassen?“ Ich muss sie dann immer wieder beruhigen.

Meiner Meinung nach ist es grundsätzlich gesund, andere Meinungen zu haben und sich darüber auseinanderzusetzen. Ich finde es prinzipiell ein geniales gesellschaftliches Experiment, welches wir aktuell erleben dürfen, dessen positiver oder negativer Ausgang noch offen ist. Es ist interessant zu sehen, wie sich Testosteron gesteuerte Menschen offensichtlich nicht viel bei dem denken, was sie tun, trotz der Tatsache, dass sie so viel Macht haben. Gerade die aktuellen Themen und Umstände im Iran oder im Irak können, je nachdem wie nur eine einzelne Person entscheidet, schnell in eine negative Richtung kippen. Diese Situation kann einem dann schon Angst machen.

Ich glaube, dass wir insgesamt als Welt, als Europa, als Menschen daraus ungeheuer viel lernen können.

Wenn es um die zwanzig Prozent an Menschen gibt, die so denken, dann können diese Meinungen durchaus existieren. Da darf man kein Feigenblatt darüberlegen. Das generell Positive dabei ist, dass sich die Politik des Nichtstuns, des Redens und Diskutierens der letzten fünf oder zehn Jahre – gerade in Europa oder Deutschland – aktuell einen extremen Druck bekommt, sich zu modernisieren.

Martin: Du hast also die durchaus positive Meinung, dass die Menschheit lernfähig ist, und die Dinge heute und in Zukunft besser macht?
Rafael: (Denkt lange nach und lacht) Das weiß ich nicht. Soweit würde ich vielleicht nicht gehen. Ich glaube das einzelne Menschen denselben Fehler durchaus mehr als einmal machen können. Auch dabei entwickeln wir uns weiter und unsere Fehler sehen somit immer anders aus. Das ist wie im agilen Umfeld: Es ist wichtig Fehler zu machen, wenn man daraus lernt und sich positiv weiterentwickelt.
Bezogen auf die große Weltbühne bin ich mir da nicht so sicher. Meine Erwartungshaltung wäre: Die Politik sollte heutzutage mit all dem historischen Wissen erkennen, dass Dinge gerade falsch laufen und Änderungen, ein rasches Gegensteuern nötig wäre.

Rückblickend auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg hat man mit der Idee der Europäischen Union sicherlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Ich sehe diese Union als ein ausgleichendes Element, im Gegensatz zu den Individuen, die gerade versuchen das komplette System aus dem Gleichgewicht zu bringen. Europa übernimmt für mich dahingehend eine Schlüsselrolle … ohne aktuell zu wissen wie man diese Rolle gut verkaufen könnte. Wir haben momentan nicht die passenden Leute, die diese Idee in z.B. sozialen Medien mit einem positiven Label versehen können.

Martin: Wenn dich deine Tochter fragt, ob du das Land verlassen müsstest – aufgrund welcher Basis und welcher Informationen stellt dir deine Tochter diese Frage?
Rafael: Der Hauptgrund ist sicherlich die Berichterstattung der Medien, die den Menschen eher Angst macht. Wahrscheinlich verkauft sich diese Art der Berichterstattung besser. Die Politik und die Medien arbeiten grundsätzlich mit Ängsten. Es ist der einfachste Weg, Menschen dazu zu bringen sich zu bewegen, wenn man ihnen Angst macht. Wenn man über positive Ideen und Visionen berichtet, muss man auch immer über die Rückschläge auf dem Weg zum Ziel berichten – das ist dann nicht motivierend und mit einfachen Worten zu erklären.
Letztens kam meine Tochter aus der Schule und hat mir erzählt, der Dritte Weltkrieg würde ausbrechen, nach der letzten Eskalation als das US-Militär einen hohen General aus dem Iran getötet hatte. Kinder wiederspiegeln also extrem gut die Aussagen der Medien.

Martin: Wie auch allen anderen Interviewpartner*innen möchte ich auch dir die Frage „Was ist für dich typisch Deutsch?“ stellen.
Rafael: Vor ganz vielen Jahren war das die Pünktlichkeit. Auf das Essen bezogen ein gutes Bier und ein Brot mit (Curry) Wurst.

Typisch deutsch ist auch: Die „Deutschen“ jammern zu viel. Jammern ist eine menschliche Eigenschaft, die in Deutschland im Vergleich zu anderen Gesellschaften sehr viel ausgeprägter ist, ohne dabei aggressiv zu sein oder „Dinge in die Hand zu nehmen“ – gerade im Vergleich zu den Gelbwesten in Frankreich.

Typisch Deutsch, so nehme ich das wahr, ist auch die offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft. Natürlich gibt es immer einzelne, oder auch kleine Gruppen von Rassisten oder Nationalisten. Grundsätzlich ist die deutsche Gesellschaft jedoch offen gegenüber anderen, fremden Menschen und lässt Diskussionen über so ziemlich alle Themen einen sehr großen Raum. Ich jedenfalls kenne kein anderes Land, in dem so viel und so offen diskutiert werden darf.

Typisch Deutsch ist auch: „wir machen keine Fehler“ – und wenn doch, dann machen wir sie richtig.

Martin: Wie man im Dieselskandal ja deutlich sehen kann!
Rafael: Das war kein Fehler, sondern einfach nur kriminell.

Martin: Rafael, vielen Dank für das Interview.